Gastperformance am Toihaus Theater

 

How did I learn to LOVE HER

Das Projekt spielt in einer möglichen Zukunft. Ein Stück Science Fiction, bei dem die Zuschauer an eine Theater-Erfahrung erinnert werden.

Die leitende Figur ist eine App, eine Anwendung für Computer oder Handys, die zu Beginn des Abends vom Publikum programmiert und installiert wird.

HER, so heißt die App (nach dem gleichnamigen Film von Spike Jonze, 2013), wird das Publikum durch die Auswahl von Themen und Optionen führen. Der Abend erlebt einen Wendepunkt, als die App, die lediglich eine Dienstleistungsfunktion erfüllt, ein eigenes Bewusstsein entwickelt. Die Computeranwendung transformiert seinen kalten, pragmatischen Charakter und erobert sich eine menschliche, empfindungslustige Seite. Unser Titel erinnert ausserdem an den Film: “Doctor Strangelove or How did I learn to love the bomb”. Und so wie Peter Sellers in verschiedene Rollen springt, so performt unsere App unterschiedliche Tanz-und Musikmöglichkeiten.

Es geht um zwischenmenschliche sowie auch um globale Beziehungen in der heutigen Zeit. Um die Sehnsucht und das Verlangen nach Nähe, trotz der großen Abstände, die uns räumlich trennen. Freundschaft, Partnerschaft, gemeinsame Räume im Allgemeinen, die sich auflösen und immer mehr nach einer virtuellen Gesellschaft streben, die sich durch künstliche Profile definiert. Wir erzählen, dass die Menschen ihre Fähigkeiten wie Zuhören, Zuschauen und Erfahrungen teilen, in einem gemeinschaftlichen Theaterraum verloren haben. So das letztendlich kein Publikum im klassischen Sinne mehr existiert.

Liebeslieder erzählen in knapper Form von der begehrten Person. Wo ist sie? Was macht sie? Wie sieht sie aus? Was erwarten wir? Egal ob unsere Beziehungen kurz- oder langfristig sind. Nah oder fern. Unsere emotionalen Zustände verpacken wir zwischen Zugfahrten, Flügen und Wartezeiten in noch knapper Form auf Facebook, Skype, Twitter und Instagram. Aber dennoch verlangt es uns nach der Haut des Anderen. Hochtechnologie in Zeiten der Liebe oder andersrum?

How did I learn to LOVE HER ist ein schwarzes Loch.
Der Eintritt in die Veränderung.
Ein dynamisches Spiel auf dem Netzwerk der Neuronen.

Ein tanzendes und singendes Anwender-Programm performt für den Zuschauer, ja lässt ihn so- gar wählen, was er sehen und hören möchte.
Zaida Ballersteros Parejo sprengt in ihrer Perfor- mance die Grenzen zwischen Bühne und Publikum und wirft dem Zuschauer kaleidoskopartig eine Fülle an Möglichkeiten entgegen. Ihr Theater ist eine Feier des scheinbar demokratischen und gemeinsamen Raumes, ein Schil- lern zwischen Improvisation und gemeinsamer Verabredung mit vermeintlich bekanntem Lied- und Bewegungsgut sowie dem Versuch einer individuellen Geste.
Wenn Technik und Welt aufeinandertreffen werden Fragen nach Sinnlichkeit und Emotionali- tät aufgeworfen. Spielerisch nähert sich das Solo diesem Diskurs.
How did I learn to LOVE HER Her fragt danach, wie weit die Technologisierung der Gesellschaft ins Private greift und wo wir uns mittels künstlicher Profile immer mehr in der virtuellen Welt auflösen. Wo dürfen wir mitbestimmen und wo werden wir Teil des Scheins, der Fiktion.

Idea: Zaida Ballesteros Parejo
, Choreography: Zaida Ballesteros & Gabriel Galindez Cruz, Dramaturgy: Kathrin Mayr and Abregú, 
Technical Director: Emilio Diaz Abregú
, Music: Roderik Vanderstraeten
, Performing: Zaida Ballesteros Parejo
, Costume: Fausto Izzi, 
Graphic Design: Valérie Maerten

Vorstellungen am Toihaus Theater:
MI 31.5.
DO 1.6. – 20.02
Dauer: 60 min.

TICKET

TRAILER

Mehr zu den Personen:

Regie/Choreographie
Zaida Ballesteros Parejo
wurde 1983 in Granada geboren. Sie studierte am Conservatorio Profesional de Danza de Granada und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main. Sie arbeitete nach ihrer Ausbildung zusammen mit Sasha Waltz & Guests und Izok Kovac in Berlin, sowie mit Nancy SeitzMcintyre in Mainz. 2007 tourte sie mit dem Tanzstück Big in Bombay  von Constanza Macras/Dorky Park durch Südamerika. 2009 wirkte sie bei einem sozialen Tanz-Projekt der belgischen Truppe CEPIA in Costa Rica mit. Ihre eigenen choreografischen Tanz- und Videoarbeiten zeigte sie bei verschiedenen Festivals in Deutschland (u.a. Bestes Tanzsolo in Leipzig, 2003), Spanien (Masdanza/Gran Canaria, 2006; Concurso Coreográfico/Madrid 2011) und der Schweiz (Lokremise/St. Gallen, 2010 und 2013). Sie war als Tänzerin am Theater Osnabrück (2005-08) und am Theater St.Gallen (2009-2014) fest engagiert. Zur Zeit lebt und arbeitet sie als freischaffende Tänzerin, Choreografin und Tanzlehrerin in der Schweiz. Sie wirkt in der freien Szene der Ostschweiz mit, u.a. bei Rotes Velo Tanzcompagnie und CosmicDrums/Heinz Lieb. Zudem studiert sie ein Masterstudium in Theaterwissenschaften.

Gabriel Galíndez Cruz wurde 1977 in Cali, Kolumbien, geboren. Er studierte Tanz am Centre National de Danse Contemporaine d’Angers in Frankreich und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main. Als Tänzer arbeitete er unter anderem mit Sidi Larbi Cherkaoui, Toula Limnaios, Dieter Heitkamp, William Forsythe, Wilhelm Groener, Marco Santi, Andrea Boll, Grayson Millwood und Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola. Während der Spielzeit 2009/2010 war Gabriel Galindez Cruz Mitglied der Tanzkompanie des Theater St. Gallen in der Schweiz. 2012 und 2013 tanzte er in Wagners »Der Ring des Nibelungen« an der Staatsoper im Schiller Theater Berlin und am Teatro alla Scala in Mailand in einer Inszenierung von Guy Cassiers, unter musikalischer Leitung von Daniel Barenboim. Gabriel Galindez Cruz arbeitet auch selbst als Choreograph. Er kreierte »Marca-Solo-Duo«. 2011 war er Mitglied der Leitung von »Hidden Tracks«, welche in Deutschland und Kolumbien tourte. Seit 2005 arbeitet er mit Sasha Waltz und ist unter anderem in ihren Choreographien »Gezeiten«, »Medea«, »Jagden & Formen« und »Métamorphoses« zu sehen. Seit 2008 leitet Gabriel Galíndez Cruz die Kindertanzkompanie Berlin von Sasha Waltz & Guests im Radialsystem V. Die letzten Produktionen waren »Der kleine Mann« (2009), »Monster« (2010), »Davon«(2011) und »The Wild Things« (2013).´

Dramaturgie
Kathrin Mayr
Jahrgang `84, machte ihren Magisterabschluss in Kunst und Literaturwissenschaft und war feste Regieassistentin am Theater Osnabrück (u.a. bei Phillip Tiedemann, Nina Gühlsdorf, Cornelia Crombholz). Dort realisierte sie auch ihre ersten Projekte (z.B. Heiner Müllers BILDBESCHREIBUNG) und arbeitete anschließend als Assistentin für Christoph Schlingensief und das Operndorf Afrika in Berlin. Parallel zum Studium der Theaterregie (2010-2014) an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg arbeitete sie mit Nachwuchsdramatikern an Texten und Projekten in der freien Szene. Darunter DAS KLEINE HASENSTÜCK und DU BIST MEIN WUNDER oder: Zieh die Arbeit aus dem Bild! von Natascha Gangl und DOSENFLEISCH (AT) von Ferdinand Schmalz. Gastspiele und Einladungen zu Festivals folgten u.a. Sophiensaele Berlin, Ringlokschuppen Mülheim, 150% Festival Hamburg, Kaltstart Festival, Schauspielhaus Wien, best OFF Styria Festival Graz, St. Pauli Theater Hamburg und Kampnagel Hamburg. Derzeit inszeniert sie KIWI ON THE ROCKS von Daniel Ratthei am Landestheater Schleswig-Holstein.

Musiker und Komponist    
Roderik Vanderstraeten
  Der aus Belgien stammende Sounddesigner, Musiker und Komponist Roderik Vanderstraeten studierte Musik und Darstellende Künste in Brüssel und Antwerpen, sowie Tanz und Theater an der École-Atelier Rudra Béjart Lausanne. In London absolvierte er erfolgreich die School of Audio Engineering. Für das Stuttgarter Ballett komponierte er u.a die Musik zu Elle e(s)t moi und Sommernachtstraum. 2002 erhielt Vanderstraeten gemeinsam mit seinem brasilianischen Kollegen João de Bruçó für das Tanztheaterstück DOLOMYTICA den «Premio Danza & Danza» in der Kategorie «Beste Originalkomposition für Tanz». Regelmässig ist er als Musiker, Komponist und Choreograf an Theatern wie Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Frankfurt oder Maxim Gorki Theater zu Gast.

 

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